Über mich

Der Beginn: Wühlen in der Vergangenheit

„Nein, einem Kind unterschreibe ich keine Volksinitiative“, schnauzte mich im Sommer 1983 ein griesgrämiger älterer Mann an. Ich war damals 14 Jahre alt und sammelte am Thuner Aare-Quai Unterschriften für die Rothenthurm-Initiative zum Schutz der Moore. Aus eigenem Antrieb, wohlverstanden.

„Sag kein Wort, Fränzu“, knurrte mein Sitznachbar in der Musikgesellschaft Brass Band Hilterfingen an einem Montagabend im Dezember 1987 nach der Abstimmung über die Rothenthurm-Initiative. Mein Sitznachbar war Berufsoffizier. Die Annahme der Rothenthurm-Initiative verhinderte den Bau eines Affenplatzes. Ich selbst durfte noch nicht abstimmen. Flyer verteilen und Plakate aufhängen aber schon.

Im selben Jahr gründete ich gemeinsam mit grün bewegten Kolleginnen und Kollegen in Thun eine Greenpeace Standgruppe. Wir wären lieber eine Regionalgruppe gewesen. Aber das hätte mehr Autonomie bedeutet als „nur“ das Organisieren von Info-Ständen, verkaufen von T-Shirts, Klebern, Büchern etc. und dem Sammeln von Unterschriften für internationale Petitionen. In den folgenden Jahren nahm ich mehrmals an Greenpeace-Bundeslagern in Deutschland teil und an medienwirksamen Aktionen. An AKWs Hochklettern konnte ich nicht. Diese heikle Aufgabe war den Kletterprofis überlassen. Aber es brauchte ja auch Leute für die Ablenkungsmanöver… 😉

Warum ich Sozialdemokrat bin

In diesen jungen Jahren engagierte ich mich auch in der Gemeinde. „Podium Hilterfingen“ nannten wir die Gruppierung, die sich für grüne Anliegen einsetzte. Die Mehrheit der Mitglieder dieser kleinen kommunalen Gruppe lehnte aber den Beitritt zur damaligen Grünen Freien Liste ab, ebenso die Teilnahme an den Gemeinderatswahlen. Wären diese beiden Entscheide anders ausgefallen, wäre ich heute höchst wahrscheinlich ein Mitglied der Grünen. Manchmal sind es kleine Dinge, die einen Weg in die eine oder andere Richtung lenken.

In der Folge kandidierte ich als Parteiloser auf der SP-Liste für den Hilterfinger Gemeinderat. Der damalige Sektionspräsident hätte sich aber die Hand brechen müssen, um auf dem Wahl-Flyer bei mir das Prädikat „parteilos“ hinzuschreiben. Aus Ärger trat ich kurz darauf der Sozialdemokratischen Partei bei, ebenso den Jusos.

So folgten meine Juso-Jahre, in denen ich das Bundeshaus von innen kennen lernte. Als Juso-Vertreter im Parteivorstand der SP Schweiz konnte ich den damaligen SP-Präsidenten Peter Bodenmann herausfordern. Zu Beginn des Jahres füllten sich jeweils in meiner Greenpeace-Agenda viele Abende und Wochenenden mit Terminen der Jusos und der SP auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene. Hinzu kamen Engagements für Unterschriftensammlungen, Abstimmungskomitees und Wahlen.

Die Jahre zogen vorbei mit einem ehrenamtlichen Engagement ums andere, in Hilterfingen unterdessen in der ständigen Wahl- und Abstimmungskommission sowie in der Licht- und Wasserkommission, wo ich mich erfolglos für Solarleuchten im öffentlichen Raum einsetzte. Quasi beiläufig absolvierte ich auf dem schulischen Weg das KV, Typ Rechnungswesen, arbeitete zuerst bei einem Treuhänder, danach in den Buchhaltungsabteilungen von Bauunternehmen, später bei einem Thuner Umwelt- und Forstingenieurbüro.

Hanf-Rebellion und Revolution

Dann kamen die Neunziger und mit ihnen der Trott und die Langeweile. Also wagte ich den Sprung in die Selbständigkeit und bot politische Arbeiten an. In Thun. Provinz. Brotlos. Deshalb eröffnete ich einige Monate später einen Hanfladen und verkaufte absolut legale Hanfprodukte. Wieder brotlos. Das änderte sich nach dem Überarbeiten des Sortiments. Duftkissen und Badezusätze verkauften sich ganz gut. Ich stand aber nicht nur im Laden, sondern engagierte mich auch wieder politisch. Passend zum Beruf wurde ich Vorstandsmitglied der Schweizer Hanf-Koordination, lernte die damalige SP-Bundesrätin Ruth Dreifuss persönlich kennen und engagierte mich an vorderster Front für die Regulierung des Hanf-Marktes.

In diesen Jahr nahm ich nichtsahnend vorweg, was später zum Beruf wurde: Mit der damaligen Gewerkschaft Bau & Industrie (GBI, heute Unia) schloss ich einen Firmen-Gesamtarbeitsvertrag ab, der als Muster für einen Branchen-Gesamtarbeitsvertrag dienen sollte. In diesem Zusammenhang motivierte ich meine Angestellten – zum damaligen Zeitpunkt etwa ein Dutzend – zum Gewerkschaftsbeitritt. Nicht gerade typisch für einen Unternehmer, für mich aber eine Selbstverständlichkeit.

Bundesrätin Dreifuss wollte genauso wie die Schweizer Hanf-Koordination und ich den Hanf-Markt regulieren. Aber nach mehrmaligen hin und her zwischen dem liberalen Ständerat und dem konservativen Nationalrat scheiterten die Regulierungsbestrebungen. Das bedeutete für die junge Hanf-Branche das Aus. Jedenfalls für all jene, die nichts zu verbergen hatten und wie ich in aller Öffentlichkeit ihr Gewerbe betrieben, Angestellte hatten, Sozialversicherungen abrechneten und Mehrwertsteuer bezahlten.

Aus, Ende, Tschüss. Vorbei wars nach der Verurteilung mit der Idee des Branchen-GAV und mit meinem Hanfladen, wenige Monate später überhaupt mit der Tätigkeit in dieser Branche. Back to the roots war angesagt. Zurück zu den Wurzeln: Ins Büro und in die Politik. Zum Abschluss schrieb ich aber noch ein Buch. „Hanfszene Schweiz“ war der Titel. Mit-Autoren waren François Reusser, Präsident der Schweizer Hanf-Koordination und engagierter Sozialdemokrat in Zürich sowie Roger Liggenstorfer, Inhaber des Nachtschatten Verlags in Solothurn.

Reset & Neustart

Im August 2001 trat ich bei der damaligen Gewerkschaft Kommunikation eine Stelle im Beitragsinkasso an. Ein gutes Jahr später zog es mich als Leiter Administration und Finanzen für drei Monate nach Zürich ins Volkshaus zur damaligen GBI-Sektion Zürich. Die Stadt Zürich war mir aber zu abgelegen. Also kehrte ich nach Bern zur Gewerkschaft Kommunikation zurück, zuerst wieder im Beitragsinkasso, später in der Kommunikationsabteilung, danach in der Branche Telecom. 2011 fusionierte die Gewerkschaft Kommunikation mit der Mediengewerkschaft comedia zur Medien- und Kommunikationsgewerkschaft syndicom. Hier arbeite ich immer noch, inzwischen als Zentralsekretär im Sektor ICT.

Mitte der Nuller Jahre (komischer Ausdruck…) bildete ich mich zuerst zum Campaigner weiter, einer umfassenden generalistischen Ausbildung für Strategieentwicklung und -umsetzung. Ein Jahr später folgte die Ausbildung zum PR-Redaktor, also eine Spezialisierung. Seit 2018 versuche ich nachzuholen, was ich in jungen Jahren glaubte nie zu brauchen: Französisch.

„Franz, wir hätten dich gerne als Präsidenten der SP Thun“, fragte mich im Frühjahr 2007 telefonisch Jürg Schönholzer, der damals die SP Thun in einem Co-Präsidium leitete. Es war nicht gerade die Zeit, in der ich mit ehrenamtlichen Engagements und dem Besuch von Parteiversammlungen glänzte. Wenn die mich fragen, geht es wohl der SP Thun nicht sonderlich gut, dachte ich mir. Und sagte zu. Und dachte richtig. In den folgenden Jahren formte ich mit einem tollen Team aus den Ruinen wieder eine gut funktionierende SP-Sektion. 8 Jahre später gab ich den Präsidiumsstab weiter, engagiere mich aber nach wie vor für die Sektion, sei es in Arbeitsgruppen, im 1.-Mai-Komitee oder für kommunikative Arbeiten. So verfasste ich beispielsweise im Sommer 2018 die Wahlplattform. Eine Heidenbüez. Wer sonst, wenn nicht ich? Nein sagen hat noch nie zu meinen Stärken gehört.

Parlamentserfahrung seit 2010

Bei den Thuner Stadtratswahlen von 2006 landete ich ungefähr auf dem 13. Ersatzplatz. Das wars dann wohl, dachte ich mir. Falsch gedacht. Aus unterschiedlichsten Gründen traten in der folgenden Legislatur masenhaft SP-Stadträt*innen zurück, sogar das „Thuner Tagblatt“ interessierte sich für diesen Umstand. Und mich spülte es so Anfang 2010 in den Stadtrat. Erstmals so richtig vom Volk gewählt wurde ich Ende 2010, seither erneut in den Jahren 2014 und 2018.

Von 2011 – 2014 war ich Mitglied der Sachkommission (SAKO) Stadtentwicklung, von 2015 – 2018 Mitglied der SAKO Bau + Liegenschaften, seit 2019 Mitglied der SAKO Finanzen, Ressourcen, Umwelt (FiRU). Man kann mich also durchaus als SAKO-Wanderer bezeichnen, immer auch ein Jahr als Präsident. Ein Sammlertyp eben. Zusätzlich war ich noch in Spezialkommissionen für Reglementsüberarbeitungen. Von aussen gesehen langweiliges Zeugs. Von innen gesehen sieht das natürlich ganz anders aus. Aber ich will ja nicht langweilgen und gehe hier nicht näher darauf ein.

In der Thuner SP-Fraktion bekleide ich zurzeit gemeinsam mit der roten Alice das Amt des Co-Präsidenten. Im Stadtrat reiche ich in der Regel gut durchdachte Vorstösse ein, die auch in den anderen politischen Lagern Unterstützung finden und manchmal sogar einstimmig angenommen werden.

Das Wort zum vorläufigen Ende

Zum Schluss noch ein paar Sätze zu meinen Leidenschaften: Ich war mal leidenschaftlicher Fan von Mittelalter-Märkten und leidenschaftlicher Gothic-DJ (DJ Odin). Seit ein paar Jahren bin ich leidenschaftlicher Pilzsammler, was im September 2019 zum Besuch des Grundkurses für angehende Pilzkontrolleur*innen geführt hat. Den Prüfungskurs werde ich im Herbst 2020 absolvieren. Bis dahin gibt es noch einiges zu lernen…

Im Nationalrat würde ich mich für den Ausbau der AHV und anderer Sozialversicherungen engagieren, würde für den Klimaschutz kämpfen, für die Cannabislegalisierung und für eine Digitalisierungsstrategie mit ethischen Grundsätzen und sozialer Verantwortung. So, wie ich mich kenne, würde ich mich in unterschiedlichste Dossiers einlesen und mit Politiker*innen jeglicher Gesinnung bei einem guten Craft Beer versuchen Bündnisse zu schmieden. Für eine ökologische, soziale und offene Schweiz für alle statt für wenige.

Was ich mag

Nach den obenstehenden epischen Ausführungen hier eine kurze Auflistung:

  • Pilzwanderungen & Baumriesen.
  • Speisepilze und all die feinen Menüs, die ich damit kreieren kann.
  • Linke & Nette.
  • Craft Beer & Geselligkeit.
  • Bio-Diversität & Bio-Wein.
  • Gute Musik, besonders während der Arbeit.
  • Jassen, aber viel zu selten.
  • Die Natur & meinen Terrassengarten.
  • Katzen, trotz ihres leider viel zu kurzen Lebens.

Was ich nicht mag

Was ich mag, war rasch aufgelistet. Negatives Denken liegt mir nicht, womit es hier schwieriger wurde:

  • Kompromisslose Fundis.
  • Gewalt, Rassismus, Neo-Nazis.
  • Kapitalismus & Neo-Liberalismus.
  • Reisen (belastet eh nur das Klima).
  • SVP-Kampagnen.